Politischer (brauner) Aschermittwoch in Singen

Eigentlich sollte es eine spannende Runde werden. Ein Austausch politischer Argumente vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Am Aschermittwoch veranstaltet das Singener Wochenblatt eine Podiumsdiskussion in der ehrwürdigen Scheffelhalle. Normalerweise ein Anlass zur Freude.
Schließlich strotzt Singen nicht gerade vor politisch Interessierten. Somit ist es toll wenn doch mal etwas stattfindet. Doch die Nachricht dass die NPD begleitet von den Republikanern auch eingeladen wurden sorgte bei manchen für eine rasche Abkühlung. Laut Singener Wochenblatt verkauften sich die 400 Eintrittskarten in wenigen Tagen. Das ist für Singener Verhältnisse ein Rekordniveau. Sollten sich die Verhältnisse in Singen so drastisch geändert haben? Schließlich lag Singen bei der letzten Kommunalwahl ganz weit hinten was die Wahlbeteiligung angeht. Ist das nun die neue Welle politisch interessierter Bürger aus Singen, oder hat sich da der braune Fanclub der NPD und der REPs angemeldet? Die freuen sich sicher riesig dass ihre bisher geschmähten Parteien nun auch mal ein Podium geboten bekommen.
So scheint es das Wochenblatt nicht weiter zu stören dass es eine Bühne bietet für Vereinigungen, die weder mit dem Grundgesetz noch mit der Achtung der Menschenwürde viel anzufangen wissen. Jedenfalls nicht dann wenn es um Ausländer und Andersdenkende geht. Auch wenn es die Partei nicht so deutlich in die Öffentlichkeit trägt, die NPD ist durchsetzt mit reaktionären Faschisten und Hitler-Bewunderern. Zahlreiche Funktionäre haben Vorstrafen wegen fremdenfeindlicher Gewalttaten. Auch deren Kandidat Benjamin Hennes, der für beide Wahlkreise Singen und Konstanz antritt, kommt aus der gewaltbereiten Szene der Autonomen Nationalisten, die im Kreis Konstanz z.B. durch die Erstürmung einer antifaschistischen Podiumsdiskussion auffiel.
Kritik gab es vor allem von den beiden Kandidaten der Linken, Michael Krause und Bernhard Hanke. Beide sagten ihre Beteiligung an der Veranstaltung ab. „Ich kann nicht mit Leuten auf der Bühne sitzen, die unsere Demokratie mit Füßen treten,“ sagt Michael Krause. „Menschen die die Verbrechen des Dritten Reiches verharmlosen, oder sogar die Schuld umdrehen, und die Opfer zu Tätern machen, haben kein Recht sich auf einem öffentlichen Podium zu äußern.“ Auch der Grüne Kandidat Udo Engelhardt hat angekündigt nicht an der Veranstaltung teilzunehmen. Krause hatte die anderen Parteien in einem Schreiben aufgefordert gegen die Teilnahme der Rechten öffentlich Stellung zu beziehen. Am Mittwoch wird sich zeigen ob die 400 verkauften Karten von interessierten Bürgern erworben wurden, oder ob es die Gefolgschaft der Neonazis war, die die Chance ihres Lebens witterte. So eine Gelegenheit bekommt die NPD schließlich nicht jeden Tag.
